DEZAIN CRUSH
Was ist Dezain Crush: DEZAIN CRUSH ist ein selbstinitiiertes Projekt in Form einer Ausstellung, die den kreativen Austausch zwischen der deutschen und japanischen Grafikdesign-Szene fördert. Im Mittelpunkt steht die Idee, Design als kulturelle Brücke zu nutzen und den Dialog zwischen beiden Ländern sichtbar und erlebbar zu machen.
Düsseldorf, mit rund 15.000 japanischen Einwohnerinnen die Heimat der drittgrößten japanischen Community Europas, bildet den idealen Rahmen für dieses interkulturelle Projekt. DEZAIN CRUSH vereint herausragende Gestalterinnen aus Deutschland und Japan und zeigt in kuratierten Ausstellungen die kreative Synergie beider Designkulturen.
2024
2024: Am Wochenende des Japan-Tags Düsseldorf/NRW 2024 feierte der japanisch-deutsche Design-Austausch DEZAIN CRUSH seine Premiere und zugleich eine Preview in Düsseldorf. Vom 2. bis 16. Juni 2024 wurden im TOYKIO auf der Immermannstraße 18 zwei Wochen lang die Arbeiten von vier renommierten Grafik-Designer:innen und Künstler:innen aus Düsseldorf und Tokyo präsentiert.
Wann: 2.–16. Juni 2024
Designer:innen: Yui Takada, Yu Miyama, Takumi Ogata, Gruppo Due
Ort: TOYKIO im Little Tokio Düsseldorf.
2025
2025: DEZAIN CRUSH 2025 fand vom 24. Mai bis 8. Juni 2025 im NRW-Forum Düsseldorf statt und zeigte Arbeiten von elf Grafik-Designer:innen und Illustrator:innen aus Deutschland und Japan. Nach dem Prolog 2024 im „Toykio“ wurde die Ausstellung erstmals auf die gesamte obere Etage des NRW-Forums ausgeweitet und am 23. Mai mit einer Eröffnung gestartet. Ziel war es, den Austausch zwischen der deutschen und japanischen Designszene zu fördern und die lokale Gestaltungskultur sichtbarer zu machen. Mit fast 4000 Besuchern in 9 Tagen war die Ausstellung ein voller Erfolg. Begleitend wurde ein auf 250 Stück limitiertes T-Shirt veröffentlicht, das von Künstler:innen beider Länder entworfen und im mobilen Shop des NRW-Forums angeboten wurde.
Wann: 24.5.–8.6. 2025
Designer:innen: Yui Takada, Yu Miyama, Takumi Ogata, Gruppo Due
Ort: NRW-Forum
2026-2027
Projektübersicht & Dokumentation
Hintergrund & Vision Dezain Crush ist ein deutsch-japanisches Designprojekt, das den kreativen Austausch zwischen beiden Ländern stärkt. Für 2027 planen wir erstmals eine Hochschule Edition, die Designstudierende aus Düsseldorf und Tokio in einem länderübergreifenden Prozess verbindet. Ziel ist es, akademische Lehre, künstlerische Praxis und eine internationale Ausstellung miteinander zu verknüpfen und Design als interkulturelle Brücke erfahrbar zu machen.
Hochschulkooperation – Düsseldorf & Japan
Geplante Kurse im SS 26
Im kommenden Semester ist an der Hochschule Düsseldorf ein experimenteller Typografie-Kurs mit Japan-Bezug geplant. Der Kurs ist eigenständig konzipiert und wird von Gabriel Richter betreut, der an der HSD lehrt und in Fukuoka (Japan) lebt.
Aufgrund der zeitversetzten Semesterzeiten ist ein paralleler gemeinsamer Kurs mit Japan nicht möglich. Stattdessen wird zu einem späteren Zeitpunkt ein separater Kurs an der Zokei University in Tokio durchgeführt, der von Yui Takada geleitet wird.
Die Ergebnisse beider Kurse können zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam präsentiert werden.
Partnerhochschule Tokio
Tokyo Zokei University
Die Tokyo Zokei University (東京造形大学, Tōkyō zōkei daigaku) ist eine Universität in Hachioji, Tokio, Japan. Sie wurde 1966 von der japanischen Kunsterzieherin, Modedesignerin und Designjournalistin Yoko Kuwasawa (1910–1977) gegründet.
Es handelt sich um eine vierjährige Kunsthochschule, die Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen der freien und angewandten Kunst anbietet. Im Jahr 2016 wurde zusätzlich ein Promotionsstudiengang (Ph.D.) im Bereich Designpädagogik und Designforschung eingerichtet.
Dozent in Tokio
Yui Takada – All Right Graphics
Exkursion Tokio & Kyoto 23.2. – 15.3.
Workshops
Miho Nozaki
Workshop: Miho Nozaki – Fluff Friends
Miho Nozaki (Instagram: @zacchino_official) leitet einen Workshop, in dem Teilnehmer:innen kleine Kuscheltiere – sogenannte „Fluff Friends“ – selbst nähen.
Ziel ist es, spielerisch Kreativität und Handwerk zu verbinden, kleine, persönliche Objekte zu gestalten und so einen liebevollen, handgemachten Aspekt in die Ausstellung einzubringen.
Takumi Ogata
Takumi Ogata – japanischer Grafikdesigner und Illustrator mit Wohnsitz in Düsseldorf – ist bekannt für seinen “Retro Japanese Style”, geprägt von der Ästhetik der Shōwa-Ära.
Geplant ist ein Workshop, eventuell in Kooperation mit LAMY.
LAMY Creative Sessions – Beyond Lines
https://www.kunstpalast.de
Workshopreihe für Jugendliche und Erwachsene, ideal für illustrative und gestalterische Experimente.
Japan & Deutschland
Ausstellung
Eine zentrale Herausforderung der Dezain Crush Hochschuledition liegt in der länderübergreifenden Umsetzung des Projekts. Unterschiedliche geografische, organisatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, insbesondere hohe Versand- und Produktionskosten erfordern neue, flexible Lösungsansätze.
Ein möglicher Ansatz ist die Entwicklung eines einfachen, schnellen und kostengünstigen Ausstellungskonzepts, das ohne aufwendigen internationalen Versand auskommt. Statt fertige Arbeiten zwischen den Ländern zu transportieren, werden digitale Vorlagen, klare Gestaltungsrichtlinien und definierte Druck- und Produktionsprozesse genutzt, sodass die Arbeiten lokal in den jeweiligen Ländern produziert werden können.
Ausstellung
Warum Grafikdesign ausstellen? Gestaltung entsteht selten zufällig. Sie ist geprägt von kulturellen Erfahrungen, visuellen Prägungen und unausgesprochenen Annahmen darüber, wie Dinge aussehen, funktionieren oder gelesen werden sollten. Wenn Gestaltung jedoch den kulturellen Kontext wechselt, verändern sich diese Annahmen. Zeichen werden anders verstanden, Formen neu interpretiert und Bedeutungen verschoben.
Der Austausch zwischen zwei Kulturen steht im Zentrum des Projekts. Ziel ist es nicht, eine Kultur zu erklären oder auszustellen, sondern einen Dialog zu ermöglichen. Dieser Dialog beginnt bereits während der Kurse: Zwei Länder arbeiten mit derselben Aufgabenstellung und nähern sich ihr aus unterschiedlichen kulturellen, gestalterischen und gesellschaftlichen Perspektiven. Gerade dieser Vergleich wie unterschiedlich oder ähnlich auf dieselbe Fragestellung reagiert wird, macht den Prozess besonders spannend.
Grafikdesign wird dabei bewusst aus seinem üblichen Kontext herausgelöst. Oft bleibt es auf die eigene Szene beschränkt, obwohl es unseren Alltag stärker prägt als fast jede andere Disziplin: auf Plakaten, Verpackungen, in Büchern, Interfaces oder im öffentlichen Raum. Gerade deshalb ist es wichtig, Grafikdesign sichtbar zu machen und nicht nur für ein Fachpublikum zu denken.
Ein besonderer Fokus liegt auf japanischem Grafikdesign. Unser gestalterischer Blick ist stark westlich geprägt: Namen aus den USA, Skandinavien oder Großbritannien kommen vielen sofort in den Sinn, während asiatische Positionen, deutlich weniger präsent sind. Das liegt nicht an fehlender Qualität, sondern an eingeschränkter Sichtbarkeit und kulturellen Barrieren. Die Ausstellung versteht sich hier als Plattform, um neue Perspektiven zugänglich zu machen.
Hinzu kommt, dass die grundsätzliche Haltung gegenüber Gestaltung in Japan eine andere ist. Typografie wird dort häufig nicht nur gelesen, sondern als bildhaftes Element verstanden. Personifizierte, illustrative oder spielerische Gestaltungsmittel sind fest in der visuellen Kultur verankert und keineswegs nur für Kinder gedacht. Diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit Zeichen, Figuren und Symbolen bildet einen spannenden Kontrast zur oft funktionalistisch geprägten westlichen Designauffassung.
Entscheidend ist dabei eine ausgewogene Mischung aus Grafikdesign und Illustration, die konzeptionell stark sind und zugleich nahbar bleiben. Ziel ist ausdrücklich nicht, eine Ausstellung ausschließlich für Designer:innen zu machen. Viel spannender ist es, Gestaltung zu zeigen, die auch Menschen außerhalb der Designblase anspricht, irritiert, berührt oder zum Nachdenken bringt.
Thesis
Exotismus im Zeichen
Der Pizza-Effekt in Schrift, interkultureller Gestaltung und
Ausstellungssystemen im Kontext der Dezain Crush Hochschuledition
Der Pizza-Effekt beschreibt den Prozess, bei dem kulturelle Praktiken außerhalb ihres Ursprungsraums verändert, vereinfacht oder neu interpretiert werden und anschließend in dieser veränderten Form auf den Ursprungsort zurückwirken.
Der Pizza-Effekt wird nicht nur thematisch behandelt, sondern bewusst in das Konzept integriert. Durch zeitversetzte Kurse, lokale Produktion und eine länderübergreifende Ausstellung wird kulturelle Übersetzung selbst zum gestalterischen Prozess. Ideen wandern, verändern sich und kehren in neuer Form zurück – genau wie die Zeichen, mit denen gearbeitet wird.
SS26
Next Step
Ein wichtiger nächster Schritt ist die Entwicklung eines klaren Kurskonzepts, das diese Auseinandersetzung strukturiert und als gemeinsame Basis dient. Das Konzept soll nicht auf ein einheitliches Ergebnis abzielen, sondern Raum für Abweichungen, Missverständnisse und individuelle Lesarten lassen. Besonders interessant ist dieser Prozess bei jungen Designer:innen, deren gestalterische Haltung sich noch formt und die oft offener mit kulturellen Einflüssen, Brüchen und Unsicherheiten umgehen.